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 DER CALWER STOIGROMBLER


 Die Gegend zwischen Wimberg und Zavelstein erscheint am Tag sehr friedlich und erholsam, denn wenn man durch die Wälder geht, kann man die ganzen Sorgen des Alltags für kurze Zeit vergessen. Des Nachts jedoch kann es geschehen, dass der Wanderer ein Grollen vernimmt, ganz so, als ginge in der Ferne ein Unwetter nieder. Das so die Sage, ist der einst die himmlischen Mächte betrog und nun dafür bezahlen muss. Von ihm wird folgende Legende erzählt:

 

stoigrombler Vor einigen hundert Jahren begab es sich, dass ein Schuster, der mit sich und seinem Leben unzufrieden war, einen Pakt mit den teuflischen Mächten schloss. Er rief einen bösen Geist zu sich und versprach ihm seine Seele, wenn er dafür etwas bekäme, welches den anderen Menschen versagt sei, nämlich das ewige Leben. Der böse Geist ging auf den Wunsch ein, jedoch unter einer Bedingung: "Da du, Schuster nun das ewige Leben haben wirst, muss ich deine

Seele sogleich zu mir nehmen, denn ich will nicht allzu lange auf meinen Lohn warten."

 

Und so geschah es, das der Schuster noch zu Lebzeiten seine Seele hergeben musste. Alle Herrlichkeit auf Erden war ihm von nun an für immer versagt, konnte er sich doch an nichts mehr erfreuen. Auch alle seine Freunde ließen von ihm, und er wurde ein düsterer Geselle. Man sagt, das der Schuster tatsächlich viele Jahre alt geworden sei. Doch eine Weisheit besagt auch, das nichts so schrecklich sei, als ewig leben zu müssen. Und eines Tages, seines wertlosen Daseins überdrüssig, bat der Schuster die teuflischen Mächte, sie sollten doch so gnädig sein und ihn endlich sterben lassen. Diese wollten aber an ihrem Vertrag festhalten. Auch die himmlischen Mächte hatten kein erbarmen mit dem alten Schuster, hatte er doch so schändlich gegen ihre Gebote verstoßen. Ein guter Geist des Waldes aber hatte Erbarmen mit dem Schuster und sprach zu ihm: Hier, sieh diesen Felsen" und deutete auf einen mächtigen Stein, "diesen sollst du so lange umherrollen, bis er sich so weit abgenutzt hat, dass ein Vogel ihn in seinem Schnabel wegtragen kann. Das soll deine Buße sein und der Beweiß, das du es auch wert bist, das man sich deiner erbarmt".

 

Bis zum heutigen Tage kann man den Schuster hören, wie er den Stein des Nachts umherrollt.Und es wird wohl noch eine sehr lange Zeit dauern, bis der Fels so klein geworden ist, dass ein Vogel ihn wegtragen kann. Wahrscheinlich dauert es eine Ewigkeit.

 

   
© 1. Calwer Narrenzunft 04 e.V.